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Gotthardt Kuehl (1850-1915)
Waisenkinder in Lübeck, 1884
Öl auf Leinwand; 98x124cm
Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden
   
Gotthardt Kuehl (1850-1915)
Nähstunde im Waisenhaus, um 1906
Öl auf Leinwand; 87x84cm
Kunsthalle, Bremen
 

Das Waisenhausmotiv im Werk von Gotthardt Kuehl

"Mit der Hinwendung zu Realismus und Naturalismus in der Malerei kommen im 19. Jahrhundert neue Bildmotive auf. Als erster Künstler entdeckte Max Liebermann auf seiner vierten Hollandreise 1876 das Waisenhausthema für sich, das er in verschiedenen Motiven umsetzte. Gotthardt Kuehl sah vermutlich die im Pariser Salon ausgestellten Gemälde Liebermanns und wurde so angeregt, sich ebenfalls mit diesem Sujet auseinanderzusetzen. 1884 entstand während seiner Pariser Zeit das erste Bild (links), das nähende Waisenhausmädchen in Lübeck zeigte. Drei Mädchen sitzen hier in unterschiedlichen Haltungen und versunken in ihre Tätigkeit in einem lichtdurchfluteten Raum, ein viertes blickt den Betrachter direkt an.
Das Waisenhausthema beschäftigte Kuehl von nun an sein ganzes Schaffen über. An die zwanzig Gemälde mit Szenen aus den Waisenhäusern in Danzig und Lübeck entstanden. Das am Ende der Entwicklung stehende Gemälde der Kunsthalle Bremen (rechts) zeigt eine gewandelte Auffassung: Im Einklang mit der impressionistischen, formauflösenden Malweise scheint jegliche Individualität verwischt, stattdessen herrscht Konformität in Haltung und Tätigkeit, nur einige Mädchen stehen am Fenster, statt sich in den Bänken über die Näharbeit zu beugen - zum Betrachter wird hingegen kein Blickkontakt aufgebaut. Nichts Kindliches liegt in dieser von der Gesellschaft geforderten Arbeitsamkeit.
Dennoch verzichtet Kuehl durch die sonnigen, heiteren Farben darauf, diese Darstellung des Lübecker Waisenhauses, dessen Leiter Albert Steen er gut kannte, als sozialkritische Anklage zu formulieren, Es handelt sich vielmehr um eine sozial gefärbte Milieuschilderung."
(Julia Ellinghaus in: Klaassen, Alice Anna (Hg.); Kinderzeit - Kindheit von der Renaissance bis zur Moderne. Petersberg 2013, S.104)
 
Gotthardt Kuehl
Kuehl Werke